Beginn einer Odyssee (Fortsetzung)
Es standen fast drei weitere Wochen zur Verfügung. Und aufs Neue entschwand alles, was zuhause wichtig war, in weite Ferne. Sonne, Strand und Meer bestimmten den Tagesablauf. Unterbrochen von Shoppingtouren und sonstigen Ausflügen quer durchs Land.. Abermals verging die Zeit im Flug. Doch das Interesse am Land und an den Menschen vor allem an deren Mentalität blieben ungebrochen. Soviel faszinierte auf seine Weise.
Die Rückkehr steigert sich in einen Alptraum, und der Wiedereinstieg in die Normalität erschien jetzt unmöglich. Nach vier Wochen gab es nichts mehr, dass die Flucht zurück hätte aufhalten können. Wo stand nur der Kopf? War das rationale Denken ausgeschaltet? Wie sollte es weitergehen? Wo lag die Zukunft? Mit der Landung am Flughafen Bangkok waren alle Fragen erloschen ...
Und dann war es fast wie schon zweimal zuvor erlebt. Nein, Langeweile dadurch, dass inzwischen vieles bekannt war stellte sich nicht ein. Es gibt endlose Möglichkeiten Land und Leute zu entdecken und kennen zu lernen.
Ein Ende dieses Wechselbades erschien in Sicht, als sich mehr zufällig der Kontakt zu einer Firma ergab, die in Bangkok eine Produktionsstätte unterhält. Fragen, ob ein ständiges Leben in Thailand möglich wäre, drängten sich auf. Die innere Weigerung, die Reisen als das anzusehen, als das sie geplant waren – nämlich als Erholungszeit - begünstigte dies.
Welche Alternativen gab es sonst? Einfach aufs Geratewohl einen Job suchen, das mag in einem gemeinsamen Europa möglich sein, nicht aber in Thailand. Und eine Arbeitserlaubnis für einen Ausländer gibt es nicht mal eben so. Außerdem werden einfache Jobs so schlecht bezahlt, dass das Leben dann wirklich keinen Spaß mehr macht. Also erschien die Lösung die das deutsche Unternehmen bot ideal. Nach einem persönlichen Gespräch, wurde kurzerhand ein Testmonat vereinbart, während dem festgestellt werden sollte, ob man zusammenpasst.
Der Monat war nicht einfach. In Thailand gibt es andere Arbeitsbedingungen und vor allem viel längere Arbeitszeiten als gewohnt. Aber auch andere interne Gründe entschieden sich leider gegen eine dauerhafte Beschäftigung in dem Unternehmen. Man stellte zwar in Aussicht, dass ein weiterer Geschäftszweig geplant sei und das dafür unbedingt jemand gebraucht würde, eine feste Zusage diesbezüglich gab es jedoch nicht.
Auszug aus einer Mail an einen Freund:
... nichts, was einen grünen Zweig verspricht - schade eigentlich. Es ist keine Wut sondern Enttäuschung die sich jetzt breit macht... Sicher habe ich unbewusst doch geglaubt, dass in diesem Land zumindest ein Teil meiner Zukunft liegen könnte. Bei dem Gedanken an Deutschland und an die dort zu erwartenden Aussichten läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Hoffentlich ist es kein Vorbote auf das, was kommt....
Sechs Monate später.
Inzwischen ist das neue Jahrtausend - na zumindest der historische (oder hysterische???) Datumswechsel längst erreicht. Nach dem Kalender sollte jetzt Frühling sein, doch nach einer kurzen Stippvisite hat sich die Sonne wieder für Tage verabschiedet und hinterlässt ein tristes grau in grau. Dabei waren die letzten Monate gar nicht so schlecht. Nicht nur das Wetter, sondern auch die Stimmung. - Liebevoller Besuch aus Thailand sorgte für entsprechende Abwechslung. Doch Anfang März waren die schönen Tage wieder viel zu schnell vorbei. Die Zeit verging fast genauso schnell, wie in Thailand. Obwohl die letzte Rückkehr nicht so grauenvoll war wie befürchtet. Doch der Wunsch dauerhaft in Thailand zu leben steht noch immer wie eine unüberwindbare Mauer in meinem Leben. In absehbarer Zeit scheint sich dafür aber keine Lösung zu finden. Ohne das finanzielles Polster im Rücken lässt sich dieser Traum wohl nicht erfüllen. Große Rücklagen gibt es aber leider nicht. In der Vergangenheit waren Reisen, Autos usw. wichtiger als eisernes Sparen. Und einen Job mit gigantischem Einkommen fehlt leider. Stellt sich die Frage, was ist das kleiner Übel: Jetzt für lange Zeit darauf verzichten Thailand zu besuchen um das Geld zu sparen oder trotzdem fliegen und auf ein Wunder hoffen. - Vielleicht gibt es ja doch noch Wunder.Der Flug ist gebucht. Schon bald geht es wieder zurück in das Land des Lächelns :-)
Vier Wochen Thailand vergingen wie immer viel zu schnell. Und eine neue Idee, die sich kurzfristig ergab um in Thailand zu arbeiten scheiterte aus technischen Gründen. Hier hat nun der Sommer Einzug gehalten. Im Sommer ist eh alles irgendwie leichter (zu ertragen). Ein paar nette Menschen, die ich in Thailand fürchterlich vermissen würde, erfreuen einfach mit ihrem Dasein. Und inzwischen haben sich auch ein paar neue Alternativen ergeben, um in Deutschland den Lebensunterhalt weiter zu finanzieren. Besser als nichts - selbst wenn es nicht völlig zufrieden macht. Damit findet diese Lektüre nun vorerst ein Ende. Doch die Hoffnung für die Zukunft bleibt - genauso wie die Faszination für das Land.